FORL-Behandlung bei der Katze: Der Ablauf von der Voruntersuchung bis zur Schmerztherapie zu Hause
Ein Besuch beim spezialisierten Tierzahnarzt bedeutet für eine Katze mit FORL (Zahnresorptionen bei Katzen) einen vollständigen Operationstag: von der Beurteilung des Narkoserisikos über die röntgengestützte Extraktion bis zur strukturierten Schmerztherapie zu Hause.

Zwischen 28 und 72 Prozent der Hauskatzen leiden an FORL, einer fortschreitenden und oft schmerzhaften Erkrankung. Die meisten Katzen zeigen keine offensichtlichen Anzeichen, bevor die Erkrankung weit fortgeschritten ist.
Nur eine vollständige zahnärztliche Untersuchung unter Narkose mit kompletten Röntgenaufnahmen kann die Erkrankung erkennen, korrekt einstufen und behandeln. Hier erfahren Sie genau, wie ein solcher Tag abläuft.
Die Untersuchung erfolgt vor der spezialisierten Zahnoperation
Der spezialisierte Katzenzahnarzt prüft die Krankengeschichte Ihrer Katze und untersucht das Maul im wachen Zustand. Dabei wird anhand von Alter, Gewicht und Vorerkrankungen eine Narkoserisikokategorie festgelegt.
Eine Blutuntersuchung vor der Narkose prüft Nieren- und Leberfunktion, Blutbild und Schilddrüsenwerte. Bei älteren Katzen sind drei Erkrankungen besonders wichtig: eine Nierenerkrankung, die bei geriatrischen Katzen sehr häufig ist und unter Narkose eine sorgfältige Infusionstherapie erfordert, eine Herzmuskelerkrankung, die oft erst beim Abhören des Brustkorbs auffällt, und eine Schilddrüsenüberfunktion, die Herzfrequenz und Blutdruck erhöht. Werden diese Erkrankungen vor dem Eingriff erkannt, kann das Narkoseprotokoll angepasst werden, statt den Eingriff abzusagen.
Katzen werden in der Regel etwa sechs bis acht Stunden vorher nüchtern gehalten.
Die Narkose: Ablauf und Überwachung
Bevor die eigentliche Narkose eingeleitet wird, erhält Ihre Katze eine Kombination aus einem Beruhigungsmittel und einem schmerzstillenden Opioid. Diese Prämedikation senkt die während des gesamten Eingriffs benötigte Menge an Narkosegas und beginnt die Schmerzkontrolle, noch bevor ein möglicherweise schmerzhafter Eingriff erfolgt. Ein kurz wirksames intravenöses Medikament versetzt Ihre Katze vollständig in Narkose, und ein Beatmungsschlauch schützt die Atemwege während des Eingriffs vor Wasser und Rückständen.
Während des gesamten Eingriffs wird kontinuierlich überwacht: der Sauerstoffgehalt im Blut, der Kohlendioxidgehalt der ausgeatmeten Luft, Herzfrequenz und Herzrhythmus, Blutdruck und Körpertemperatur. Ein Teammitglied überwacht ausschliesslich die Narkose und ist nicht an der Behandlung selbst beteiligt. Die Zeit unmittelbar nach dem Eingriff birgt das höchste Komplikationsrisiko, weshalb die Überwachung bis weit in die Aufwachphase hinein fortgesetzt wird.
Katzen verlieren während zahnärztlicher Eingriffe aufgrund ihrer geringen Körpergrösse und des bei der Zahnsteinentfernung verwendeten Wassers schnell an Körperwärme. Eine aktive Wärmezufuhr läuft während des gesamten Eingriffs und wird im Aufwachraum fortgesetzt.
Dentalröntgen bei der Katze: Was das Auge nicht sieht
Sobald Ihre Katze stabil unter Narkose liegt, wird vor Beginn jeder Behandlung eine vollständige Serie intraoraler Röntgenaufnahmen erstellt. Eine komplette Serie bei der Katze umfasst zwischen 6 und 10 Einzelaufnahmen, wobei jedes Bild präzise positioniert werden muss, um Wurzeln zu erfassen, die für das Auge nicht zugänglich sind.
Die Röntgenaufnahmen bestimmen den Behandlungsplan. Zwei Zähne, die von aussen identisch aussehen, können völlig unterschiedliche Behandlungen erfordern.
Zahnresorption tritt in zwei unterschiedlichen Formen auf, die sich nur im Röntgenbild unterscheiden lassen: Bei der einen behält die Wurzel ihre normale Struktur und muss vollständig entfernt werden, bei der anderen wurde die Wurzel durch knochenähnliches Gewebe ersetzt und kann anders behandelt werden. Keine klinische Untersuchung kann diese Unterscheidung treffen, und ein Röntgenscreening deckt bei fast der Hälfte der Katzen resorptive Läsionen auf, obwohl die Oberfläche unauffällig erscheint.
Zahnstatus, Zahnsteinentfernung und Politur
Der Spezialist erstellt einen vollständigen Zahnstatus: Bei jedem Zahn werden die Tiefe der Zahnfleischtaschen, Zahnfleischrückgang, Knochenverlust, freiliegende Wurzeln und Zahnbeweglichkeit erfasst. Damit entsteht eine vollständige Ausgangsdokumentation, die jeden behandlungsbedürftigen Zahn identifiziert.
Die Zahnsteinentfernung beseitigt Ablagerungen ober- und unterhalb des Zahnfleischrands mit Ultraschallgeräten und feinen Handinstrumenten. Der entscheidende Schritt erfolgt unter dem Zahnfleischrand, wo schädliche Bakterien den Knochenabbau vorantreiben, der Zähne mit der Zeit lockert. Direkt danach folgt die Politur: Die Zahnsteinentfernung hinterlässt mikroskopisch kleine Rauigkeiten auf dem Zahnschmelz, die die erneute Anlagerung von Bakterien beschleunigen, und die Politur entfernt diese Rauigkeiten.
Die chirurgische Zahnextraktion bei der Katze
Bevor ein Zahn entfernt wird, setzt der Spezialist eine lokale Nervenblockade: eine Injektion, die den betroffenen Quadranten vollständig betäubt, die benötigte Menge an Narkosegas senkt und für mehrere Stunden Schmerzkontrolle sorgt, die bis in die Erholungsphase hineinreicht.
Zahnextraktionen bei Katzen sind technisch anspruchsvoll. Die Zahnwurzeln von Katzen sind dünn und brechen leicht. Zahnresorption führt dazu, dass die Wurzel mit dem umliegenden Knochen verwächst, wodurch übliche Lockerungstechniken nicht mehr angewendet werden können.
Bei mehrwurzligen Zähnen wird der Zahn in einzelne Wurzelsegmente aufgeteilt, und jede Wurzel wird einzeln entfernt. Dabei wird ein kleiner Schleimhautlappen angehoben, eine minimale Menge des darüberliegenden Knochens entfernt, um die Wurzel zu erreichen, und die Zahnfleischwunde mit selbstauflösendem Nahtmaterial verschlossen. Eine Röntgenkontrolle nach der Extraktion bestätigt, dass kein Wurzelrest zurückgeblieben ist.
Bestätigen die Röntgenaufnahmen bei einem Zahn eine vollständige Ersatzresorption ohne Anzeichen von Infektion oder Zahnfleischerkrankung, ist die Kronenamputation, also die Entfernung der sichtbaren Zahnkrone bei gleichzeitigem Belassen der resorbierten Wurzel, die richtige Vorgehensweise. Ohne Röntgenaufnahmen lässt sich diese Entscheidung nicht sicher treffen.
Schmerztherapie und Erholung zu Hause
Die Schmerztherapie nach der Extraktion läuft zu Hause über drei bis sieben Tage. Ein zugelassenes entzündungshemmendes Mittel wird bei der Entlassung mitgegeben und bei Katzen mit Nierenerkrankung mit Vorsicht eingesetzt. Buprenorphin, das wichtigste Schmerzmittel in der Katzenzahnmedizin, können Sie direkt auf die Schleimhaut auftragen, ohne dass eine Tablette notwendig ist, was besonders wichtig ist bei Katzen, die sich nur ungern anfassen lassen.
Weiches Futter über 10 bis 14 Tage schont das heilende Gewebe. Nach Standardextraktionen bei gesunden Katzen werden routinemässig keine Antibiotika verschrieben, da die aktuelle Studienlage dies nicht stützt.
Eine Nachkontrolle ein bis zwei Wochen später bestätigt die Heilung.
Was die Behandlung erreicht
Bei Katzen mit Zahnresorption beseitigt die richtige Behandlung, die vollständige Extraktion der betroffenen Zähne, die Schmerzquelle dauerhaft. Bei Katzen mit FCGS (Chronischer Zahnfleischentzündung bei Katzen), einer schweren immunvermittelten Erkrankung, die in der Region Zürich mit denselben Raten auftritt wie im übrigen Europa, führt die vollständige oder teilweise Extraktion aller Zähne bei 67 bis 80 Prozent der Fälle zu deutlicher Besserung oder vollständiger Remission.
Fachartikel & Hintergründe zu FORL
FORL-Behandlung durch die Spezialistin
Eine präzise Diagnose ist entscheidend, um Zahnerkrankungen bei Katzen erfolgreich zu behandeln. Als diplomierte Fachtierärztin für Zahnmedizin (EVDC) bietet Dr. Eva Gasymova spezialisierte Diagnostik und Behandlung, um die Lebensqualität Ihres Tieres bestmöglich zu sichern.
