Warum die Hälfte aller Zahnresorptionen (FORL) bei Katzen einer normalen Tierarztkontrolle entgeht
Eine routinemässige tierärztliche Kontrolle reicht nicht unter den Zahnfleischrand, wo Zahnresorptionen bei Katzen ihren Anfang nehmen. Bis die Veränderung sichtbar wird, hat die Erkrankung die Zahnwurzel häufig bereits so weit geschädigt, dass eine vollständige Extraktion erschwert oder unmöglich wird.

Die Untersuchung hat einen blinden Fleck, den nur der Katzenzahnarzt sieht
Eine klinische Standarduntersuchung stützt sich auf Licht, eine Sonde und das, was sich sehen oder ertasten lässt. Der Tierarzt hebt die Lefze an, kontrolliert das Zahnfleisch und stellt keine Auffälligkeiten fest. Bei den meisten Erkrankungen reicht das aus.
FORL (Zahnresorptionen bei Katzen) verhält sich anders. Es beginnt unter dem Zahnfleischrand (klassische Resorptionsform), an einer Stelle, die eine Untersuchung nicht erreicht. Von dort arbeitet es sich durch die Wurzel nach oben, lange bevor an der Zahnkrone ein Defekt sichtbar wird.
Die früheste Veränderung entsteht an der Wurzeloberfläche, unterhalb des den Zahn umgebenden Knochens. Kein Instrument, das oberhalb des Zahnfleischrands bleibt, kann sie erkennen. Bis ein sichtbarer Defekt an der Zahnkrone auftritt, schreitet die Erkrankung meist schon seit Monaten oder Jahren fort.
Die Zahl, die den meisten Besitzern noch nie genannt wurde
Eine Studie untersuchte Katzen, deren Zähne bei der klinischen Untersuchung völlig unauffällig wirkten. Ein Dentalröntgen des gesamten Gebisses fand bei fast 42 von 100 dieser Katzen eine Erkrankung. Bei Katzen, bei denen bereits ein Problem entdeckt worden war, lieferte das Röntgen in einem weiteren von 3 Fällen entscheidende Zusatzinformationen, die Diagnose oder Behandlung veränderten.
Der Befund gilt tierartübergreifend. Dieselbe Forschungsgruppe stellte fest, dass bei fast 1 von 4 Hunden mit unauffällig wirkenden Zähnen klinisch bedeutsame Läsionen vorlagen, die nur im Röntgenbild sichtbar waren.
Die Schlussfolgerung sämtlicher massgeblichen veterinärzahnmedizinischen Fachgremien weltweit ist dieselbe: Eine zahnmedizinische Untersuchung ohne Röntgen des gesamten Gebisses ist unvollständig.
FORL: die Krankheit, die dort beginnt, wo keine Untersuchung hinreicht
Zwischen 30 % und 67 % aller Katzen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Zahnresorption. Bei Katzen ab einem Alter von fünf Jahren steigt dieser Anteil auf nahezu 75 %. FORL zählt damit zu den häufigsten Erkrankungen der Katzenzahnmedizin und zugleich zu den am häufigsten übersehenen.
Der Prozess beginnt damit, dass spezialisierte Zellen die Wurzeloberfläche unterhalb des umgebenden Knochens angreifen. Diese Stelle ist mit blossem Auge nicht sichtbar und mit einer Sonde nicht erreichbar. Während sich die Veränderung durch die Wurzel nach oben ausbreitet, untergräbt sie die Zahnkrone zunehmend von innen und führt häufig zu Frakturen bei normaler Kaubelastung.
Erst wenn die Erkrankung die sichtbare Zahnkronenoberfläche erreicht, gibt es für die klinische Untersuchung überhaupt etwas zu entdecken. Dieser Defekt ist ein Spätbefund, kein Frühwarnzeichen. Der Zahn ist zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits seit Monaten oder Jahren geschädigt.
Warum das Röntgenbild die Behandlungsentscheidung vollständig verändert
Nicht jede Zahnresorption ist gleich. Das röntgenologische Erscheinungsbild der Wurzel bestimmt, welches chirurgische Vorgehen angezeigt ist. Die beiden Verfahren unterscheiden sich grundlegend, und die falsche Wahl schadet dem Tier unmittelbar.
Wenn die Wurzel ihre Struktur behält und der Spalt zwischen Wurzel und umgebendem Knochen auf dem Röntgenbild sichtbar bleibt, muss die Wurzel vollständig entfernt werden. Bleibt auch nur ein Teil zurück, verursacht dies eine anhaltende Entzündung.
Ist die Wurzel mit dem Kieferknochen verwachsen oder bereits Teil des Knochens geworden, ist eine vollständige Extraktion oft nicht möglich. Der richtige Ansatz ist dann die Kronenamputation mit bewusster Wurzelbelassung. Der Versuch einer vollständigen Extraktion birgt in diesem Fall das Risiko mehrfacher Frakturen, der Entfernung eines grossen Knochenanteils und sogar eines Kieferbruchs bei der Katze.
Keines der beiden Verfahren lässt sich ohne ein vor dem Eingriff angefertigtes Röntgenbild korrekt auswählen.
Fachartikel & Hintergründe zu FORL
FORL-Behandlung durch die Spezialistin
Eine präzise Diagnose ist entscheidend, um Zahnerkrankungen bei Katzen erfolgreich zu behandeln. Als diplomierte Fachtierärztin für Zahnmedizin (EVDC) bietet Dr. Eva Gasymova spezialisierte Diagnostik und Behandlung, um die Lebensqualität Ihres Tieres bestmöglich zu sichern.
